Sonnenfinsternis über Spanien: Unser Flyout nach Burgos
- Severin Hitz
- vor 1 Tag
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Stunden

Vom 11. bis 13. August 2026 machten wir uns mit sechs Flugzeugen und 18 Personen auf den Weg nach Spanien, um die totale Sonnenfinsternis bei Burgos zu beobachten. Was als kleiner Ausflug zu dritt geplant war, wuchs zu einem vereinsübergreifenden Abenteuer zwischen Albis Wings und Hausair heran. Hier ist die Geschichte dieses unvergesslichen Trips.
Die Idee entsteht
Die Idee zu diesem Flyout entstand im Winter 2025/26 nach einem Eishockeyspiel. Ursprünglich planten wir einen privaten Ausflug zu dritt mit einem Flugzeug, doch daraus wuchs schnell ein vereinsübergreifendes Flyout. Neben unseren beiden Albis Wings Reiseflugzeugen HB-POX und HB-CQW schloss sich der ebenfalls in Hausen ansässige Verein Hausair mit seinen Flugzeugen D-EUDI und HB-PGM samt Mitreisenden an. Dazu kamen noch eine Cessna aus Buttwil sowie eine Privatmaschine. Am Ende waren wir sechs Flugzeuge und 18 Personen, die gemeinsam Richtung Spanien aufbrachen.
Drei Tage, sechs Flugzeuge, 18 Leute
Bei so vielen Beteiligten war uns schnell klar, dass ein langes Zeitfenster nicht möglich sein würde. Wir planten den gesamten Trip deshalb auf drei Tage: Dienstag Flug bis in die Pyrenäen, Mittwochmorgen weiter nach Burgos, damit genug Zeit für die Ankunft und die Suche nach einem geeigneten Beobachtungsplatz blieb, und Donnerstag in einem Rutsch zurück. Zwölf Stunden Flugzeit in der Hochsaison waren auch für die Maintenance Planung eine Herausforderung. Dank unserem Flottenchef und grosszügigen Mitgliedern, die auf ihre eigenen Flüge verzichteten, konnten wir aber auch dieses Problem lösen.
Die Planung koordinierten wir über eine eigens dafür erstellte Website. Dort sammelten und kommentierten wir Routenvorschläge, die Aufteilung der Passagiere, Dokumente und mehr. Auf Anfrage steht die Seite auch für künftige Flyouts zur Verfügung. Wichtigster Punkt der Planung war die Suche nach einem Hotel in Spanien. Der Verlauf der Route und die Hotelverfügbarkeit legten schliesslich Burgos als Zielort fest, wo wir gerade noch ein Hotel mit zehn Zimmern fanden.

In der Routenplanung sahen wir bald einen Mittagsstopp in Aubenas (LFHO) vor, wo die dortige Gokartstrecke für Abwechslung sorgen sollte. Den Nachtstopp legten wir auf den lokalen Motor und Segelflugplatz Tarbes Laloubère (LFDT) an den Füssen der Pyrenäen. Auch die Zollthematik in Frankreich diskutierten wir ausführlich. Nach EU Richtlinien sollte ein Einflug in Aubenas eigentlich möglich sein, doch kurz vor dem Abflug erhielten wir widersprüchliche Auskünfte vom Hauptzoll und den lokalen Zollstellen, weshalb wir uns für den Einflug über Annemasse entschieden.
Besonders schön aus Sicht von Albis Wings war, dass sich auch zwei Grundschüler mit dem passenden Fluglehrer dem Flyout anschlossen. So kam auch die Schulung, ein wichtiger Teil von Albis Wings, nicht zu kurz. Am Tag vor dem Abflug hielten wir noch ein Online Briefing mit allen Piloten ab. Das Wetter war schnell besprochen: Sonne, Sonne, Sonne und heiss, was besonderen Fokus auf die Weight and Balance sowie die Performance Berechnungen legte.
Tag 1, Dienstag 11. August: Über Annemasse und Aubenas nach Tarbes
Nach dem Ausfüllen aller Zoll und Flugplanformalitäten standen wir am Dienstag um 07:00 Uhr auf dem Platz, wo wir alle Flugzeuge bereitstellten. Auch das flugzeugübergreifende Weight and Balance war nochmals Thema, und einiges an Gepäck fand noch Platz im Lastesel D-EUDI. Pünktlich wie geplant starteten wir um 09:00 Uhr nach Annemasse. Der individuelle Flug verlief ereignislos, wir trafen uns dort wieder und flogen kurz darauf gemeinsam weiter auf das nächste Leg nach Aubenas. Die geplante Landung um 12:00 Uhr klappte rechtzeitig für den bereits organisierten Gokart Slot um 12:30 Uhr.

Nach dem Um- und Durchfliegen der diversen Lufträume um Lyon kam unsere nun komplette Flotte von sechs Flugzeugen im bereits sehr aufgeheizten Aubenas an, und wir legten erst einmal einen Trinkstopp ein, sowohl für die Besatzung als auch für die Flugzeuge selbst. Ein grosser Teil der Reisegruppe gönnte sich anschliessend ein Rennen auf der Gokartbahn. Ein anderer Teil blieb zurück und organisierte, was uns bisher nicht gelungen war: ein Fahrzeug für Burgos. Wir hatten uns bereits auf einen einstündigen Fussmarsch bei 37 Grad zum nächstgelegenen Hügel eingestellt, doch das Glück war uns hold. Gleich beim ersten Anruf konnte unser Albis Wings Fluglehrer mit seinen Spanischkenntnissen auftrumpfen und einen Car für 20 Personen inklusive Fahrer für den gesamten Mittwochnachmittag und Abend organisieren.
Zurück am nur fünf Minuten entfernten Flugplatz ging es für uns bald weiter Richtung Tarbes. Sechs Flugzeuge, die alle einen Backtrack auf einer 1,5 Kilometer langen Piste machen mussten, ergaben eine sehr lange Startprozedur.
Aufgereiht ging es dann im Minutentakt in die Höhe. Schnell war uns klar, dass die Luft einiges an Energie aufgenommen hatte: Unter den berüchtigten Restricted Areas Frankreichs ging es teilweise nur 2000 Fuss über Grund über die Landschaft, die Gokartfahrt am Mittag war dagegen seidenweich gewesen.
Nach der halben Flugstrecke näherten wir uns dem Luftraum von Toulouse. Trotz unseres Flugplans kam bald die Meldung, dass Toulouse Approach bereits mit der Flight Information von Marseille telefoniert hatte, bei der unser Geschwader gemeldet war. In der TMA und CTR von Toulouse gab es demnach keine Kapazität für uns. Nach einigen Versuchen musste ein grosser Teil von uns den Umweg unter oder um die TMA nehmen, was bei der immer noch starken Thermik keine angenehme Entscheidung war. Trotzdem erreichten wir dann zügig Tarbes Laloubère (LFDT), wo uns eine sehr gepflegte Grasspiste erwartete. Nach dem allgemeinen Eintreffen und einem kurzen Schwatz mit dem Platzwart war klar, dass noch ein Tankvorgang anstand, da die Tankstelle am nächsten Tag nicht mehr verfügbar sein würde.

Danach ging es für uns ins Hotel direkt neben dem Platz, wo wir nach einer langen Check in Prozedur die 14 Zimmer verteilten. Nach einer kurzen Dusche und Pause trafen wir uns im schönen Innenstädtchen von Tarbes zu einem gemeinsamen Nachtessen.
Tag 2, Mittwoch 12. August: Burgos und die Sonnenfinsternis
Nach einer erholsamen Nacht standen wir um 08:00 Uhr wieder auf dem Platz, und um 09:00 Uhr starteten wir zu unserem eigentlichen Ziel Burgos. Wieder waren die Flugzeuge individuell unterwegs, und einige von uns wählten direkt nach dem Start den Überflug über Tarbes Lourdes Pyrenées (LFBT), wo alte Airbus Maschinen inklusive der A380 Flotte ausgeschlachtet werden. Nach rund zwei Stunden Flugzeit, in denen die spanischen Lotsen eine echte positive Überraschung waren und sehr proaktiv Freigaben und Wetterinformationen durchgaben, erreichten wir nacheinander Burgos.

Vermeintlich angekommen, stand für uns nur noch das vorsorgliche Tanken auf dem Programm. Genau da erreichte die spanische Effizienz aber ihre Grenzen: Wegen eines in der Nähe abgestellten Flugzeugs war das Tanken auf dem eigentlichen Apron nicht möglich, und wir mussten im Konvoi zum Apron der ansässigen Flugschule taxieren. Zwei weitere Flugzeuge schlossen sich uns an, und so zog unser Taxiwurm los, zurück auf die Piste, einen elend langen Taxiway entlang und nach rund 15 Minuten zur Tankstelle. Für den stolzen Preis von 4,20 Euro pro Liter Avgas bekamen wir dann auch die spanische Bürokratie zu spüren, und erst nach zwei Stunden Tankzeit für alle Flugzeuge ging es auf demselben Weg zurück zu unserer bereits Wochen im Voraus reservierten Parkposition. Die Flugzeuge verzurrt, gingen wir durch das schöne, aber wie ausgestorben wirkende, wahrscheinlich EU-Finanzierte Terminal zum Abholpunkt. Wer nicht Teil des Tankabenteuers war, war bereits zuvor in die Stadt gegangen, und der Bus holte nun auch unser Tankteam ab.

Bei leckeren Tapas besprachen wir, wie wir die Sonnenfinsternis beobachten wollten. Zur Wahl standen schnell zwei Standorte: ein Staudamm im Osten oder eine Raststätte mit Rahmenprogramm im Westen. Nach demokratischer Abstimmung fuhren wir mit einem Zwischenstopp für Proviant Richtung Westen. Angekommen merkten wir aber schnell, dass dies doch nicht der richtige Ort war, und suchten nach Alternativen. Dank Recherche auf Reddit legten wir eine Ruine auf einem Hügel weiter im Westen als neues Ziel fest.

Schon auf dem Weg dorthin zeigte sich, dass dies die richtige Entscheidung gewesen war. Ein weitläufiger Hügelzug mit perfektem Blick Richtung Hochplateau im Westen erstreckte sich vor uns. Im Dorf Castrojeriz angekommen, wo sich bereits viele weitere Schaulustige eingefunden hatten, machte sich ein Teil von uns, bewaffnet mit Eiskübeln und Getränken, auf den Marsch Richtung Ruine auf dem Hügel. Der andere Teil legte angesichts der noch verbleibenden Zeit zunächst einen Zwischenstopp in einer Taberna ein.
Dann machten wir es uns alle auf dem Hügel gemütlich und warteten auf den Beginn des Spektakels. Es half ungemein, dass sich gleich neben uns echte Eclipse Spezialisten mit Live Verfolgung des Status auf dem Computer eingerichtet hatten, sodass wir immer wussten, was gerade passierte. Auch die Bilder seiner Profikamera konnten wir abgreifen.

Um etwa 19:30 Uhr schob sich der Mond langsam vor die Sonne. Da einige von uns gleich ganze Packungen Spezialbrillen gekauft hatten, konnten wir alle bestens vorbereitet den ganzen Verlauf verfolgen. Lange merkten wir ausser dem visuellen Hinweis nichts, erst sehr gemächlich setzte eine Dämmerung ein. Doch bei rund 95 Prozent und wenige Minuten vor der totalen Sonnenfinsternis wurde es spürbar dunkler und kühler. Von Westen her sahen wir den Schatten bereits über das Hochplateau näher kommen.

Um 20:28 Uhr war es dann so weit. Der Mond verdeckte auch die letzte noch sichtbare Sichel der Sonne, und es wurde schlagartig dunkel. Von der Sonne war nur noch die Korona sichtbar, ein äusserst eindrückliches Phänomen. Schnell zeigten sich die ersten Sterne am Nachthimmel, und im nahegelegenen Windpark schaltete die Nachtbeleuchtung ein. Ein einmaliges und ehrfürchtiges Gefühl. Nach etwa zwei Minuten war der Spuk vorbei, die Sonne kam wieder hervor, es wurde schnell wieder heller, und die Vögel flogen wieder los.

Die Freude bei uns allen war gross, denn das eigentliche Ziel unseres Trips war erreicht, und das bei perfekten Bedingungen. Die Sonne verabschiedete sich später in einem wundervollen Sonnenuntergang, und erst ganz am Schluss, wenige Minuten bevor sie verschwand, verschwand auch die Silhouette des Mondes von der Sonne.
Nach einem erneuten Stopp im Zentrum von Burgos für ein paar Tapas bezogen wir unser Hotel nahe dem Flughafen, allerdings erst um Mitternacht.
Tag 3, Donnerstag 13. August: Heimflug
Am nächsten Tag flogen wir mit der Albis Wings Flotte sehr direkt mit zwei Zwischenstopps in Castelsarrasin (LFCX) und Annemasse (LFLI) zurück nach Hause(n). Dabei trennten sich unsere Wege von anderen Teilnehmern, da ein Teil der Mannschaft von Hausair für ein paar weitere Tage in Spanien und Frankreich blieb. Der Rückflug gestaltete sich ereignislos, wenn auch mit kurzzeitig eingeschränkten Sichtverhältnissen wegen Rauch und mit etwas Essensmangel am ersten Zwischenhalt. So ging unser Abenteuer am 13. August um 17:30 Uhr in Hausen zu Ende.

Ein herzliches Dankeschön geht an alle, die diesen Ausflug erst möglich gemacht haben: an unseren Flottenchef und alle, die ihre eigenen Flüge zugunsten des Flyouts zurückgestellt haben, an Hausair für die tolle vereinsübergreifende Zusammenarbeit und natürlich an alle Pilotinnen und Piloten sowie Passagiere, die diese drei Tage zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.
Severin Hitz, 22.08.2026



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